ECUADOR

Ecuador
Karte von Ecuador und seinen Provinzen
Die Lage Ecuadors (Bildquelle: wikipedia)

 

Der kleine Andenstaat am Äquator glänzt mit seinen tropischen Stränden, schneebedeckten Bergen, Regenwald, kolonialen Städten und vor allem seinen herzlichen Menschen. Diese geographischen Unterschiede spiegeln sich auch innerhalb der Bevölkerung wider. Viele Menschen leben in großer Armut, einige wenige besitzen sehr viel.

Die Bemühungen der Regierungen, die Situation im Land für die Bevölkerung zu verbessern, wird durch Instabilität innerhalb des politischen Systems, Misswirtschaft und Korruption behindert. Die wirtschaftliche Situation im Land ist stark vom Ausland abhängig, da Ecuador über den Export von Öl und einigen landwirtschaftlichen Produkten das Einkommen für den Staatshaushalt generiert. Aktuell geht es der Wirtschaft aufgrund des niedrigen Ölpreises sehr schlecht. Aus diesen Einnahmen müssen auch die internationalen Schulden getilgt werden. Oder diese Schulden werden nicht gezahlt wie im Jahr 2009, was das Vertrauen von ausländischen Investoren auf die Probe stellt.  

Weiterhin ist nicht gesichert, dass alle Angebote der Regierung die Menschen erreichen, die in Not sind. Dies betrifft nicht nur den Gesundheitssektor, sondern auch z.B. den Bereich Bildung. Daher werden viele gut gemeinte Ansätze oft schon im Keim erstickt und eine Besserung ist nicht in Sicht, solange der Mehrheit der Bevölkerung der kontinuierliche Zugang zu diesen existenziellen Bereichen verwehrt bleibt.


Die Projektregion: El Páramo 

„La Y de la Laguna“ (sprich: La Jeh) und die ungefähr 30 Dorfgemeinschaften liegen in der Region „El Páramo“ im Naturschutzgebiet „Mache Chindul“, einem Naturpark mit ursprünglich tropischem Regenwald und einer Lagune in der Provinz Esmeraldas. Die Kantonhauptstadt Quinindé mit ca. 30.000 Einwohnern und einem Krankenhaus liegt etwa 40 km entfernt von La Y. Von dort aus fahren „Camionetas“ (Pick-Up-Trucks) und „Rancheras“ (LKWs mit auf den Ladeflächen gebauten Holzsitzen) auf einem schwer befahrbaren Weg nach La Y. Die Fahrt kann in der Regenzeit (Januar bis April) bis zu vier Stunden dauern.  

Der Name des Hauptdorfes „La Y de la Laguna“ heißt übersetzt „die Y-Weggabelung an der Lagune“, denn an diesem Ort teilt sich der Weg von der Stadt über das Dorf in die vielen kleinen Dorfgemeinschaften in der Umgebung, die fast nur zu Fuß oder per Pferd/Maulesel erreichbar sind. Ein solcher Weg nimmt im Extremfall zehn bis zwölf Fußstunden in Anspruch, besonders in der Regenzeit. 

Hauptsächlich Bewohner der Provinz Manabí haben sich hier vor einigen Jahrzehnten angesiedelt. Inzwischen leben etwa 6.000 Menschen in diesem Gebiet, hauptsächlich Mestizen sowie dunkelhäutige Menschen und Ureinwohner („indígenas“). Genaue Angaben zur Bevölkerungszahl sind nicht bekannt.  

Da die Besiedlung El Páramos von der Regierung aufgrund des Naturschutzgebietes eher missbilligend in Kauf genommen wurde, gab es in der Vergangenheit für El Páramo kaum staatliche Unterstützung.  

In der Region gibt es keinen oder nur sehr eingeschränkten Zugang zu Trinkwasserleitungen, Abfallbeseitigung und Stromversorgung (nur in La Y, jedoch nicht zuverlässig). Wenige Bildungsmöglichkeiten stehen der Bevölkerung zur Verfügung. Die schlecht bezahlte Landwirtschaft erwirtschaftet nur geringe Löhne. Die Natur, der größte Schatz, den die Menschen in der Region besitzen, wird durch landwirtschaftliche Arbeit stark in Mitleidenschaft gezogen. 

Bis zur Entstehung der Gesundheitsstation in La Y erschwerten hohe Kosten und die beschwerliche Anreise nach Quinindé (vor allem während der Regenzeit) die Gesundheitsversorgung.

 

Das Gesundheitsprojekt 

Foundation Human Nature (FHN) unterstützt ein nachhaltiges Entwicklungsprogramm in der Region „El Páramo“ im Nordwesten des Ecuadors. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt in der primären Gesundheitsversorgung durch eine Gesundheitsstation in der Ansiedlung „La Y de la Laguna“ (link). 

Die Gesundheitsstation in La Y wurde am 15. Dezember 2001 offiziell eingeweiht. Um eine nachhaltige Arbeit zu gewährleisten, wurde von FHN eine Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium, dem Krankenhaus in Quinindé und dem ehrenamtlichen örtlichen Gesundheitskomitee vertraglich festgehalten. So wird beispielsweise die Gesundheitsversorgung durch ÄrtzInnen, ZahnärztInnen, Krankenschwestern/-pfleger, Hebammen/Geburtshelfer und LaborantInnen unterstützt. Monatliche Lieferungen eines Grundstocks an Medikamenten – der Grundstock an Medikamenten ist dabei nicht nur mengenmäßig, sondern auch hinsichtlich der Wirkstoffe begrenzt – Impfseren und Verbrauchsmittel werden ebenso durch das Krankenhaus in Quinindé bereitgestellt. FHN stellt Gelder für weitere Medikamente (Anzahl und Wirkstoffe), Verbrauchsgegenstände, Reparaturen oder auch den Neukauf von medizinischen Geräten zur Verfügung.  

Das örtliche Gesundheitskomitee besteht aus Bewohnern der Region, die engagiert die Gesundheitsstation mit aufgebaut haben und es nun verwalten. Das Gesundheitskomitee wird durch einen Vorstand vertreten und ist auch legalisiert, d.h. von der Regierung anerkannt. Die administrativen Aufgaben wie z.B. den Kauf von Medikamenten, die Buchführung und Verwaltung des Budgets übernimmt dabei die von FHN bezahlte Administratorin als Angestellte des Gesundheitskomitees. 

Da die Wege innerhalb der Region besonders zur Regenzeit sehr beschwerlich sind, ist es für viele Familien mit Kindern kaum möglich, regelmäßig die Gesundheitsstation für Untersuchungen und Impfungen zu besuchen. Daher werden vom Gesundheitskomitee und den Gesundheitshelfern sogenannte Gesundheitsbrigaden organisiert. Dabei werden die umliegenden Dörfer von La Y mit einem medizinischen Team besucht und Behandlungen sowie Impfungen vor Ort vorgenommen. Ebenso werden Medikamente mitgeführt, um direkte Hilfe anbieten zu können. 

Ein Labor wurde eingerichtet, um bei Verdachtsfällen sofort die nötigen Untersuchungen durchführen zu können. Die Etablierung des Labors und die Ausbildung eines Laborassistenten ersparen Patienten die kosten- und zeitaufwendige Reise nach Quininé, um die benötigten Tests durchführen zu lassen. Unterschiedliche Analysen können durchgeführt werden, z.B. im Zusammenhang mit Malaria oder Dengue.


Weitere 

Foundation Human Nature (FHN) kümmert sich neben der primären Gesundheitsversorgung verstärkt um Vorsorge in den Bereichen chronische Krankheiten, sauberes Trinkwasser und Ausbildung von Dorfgesundheitshelfern.  

Dorfgesundheitshelfer
Erstmalig wurden im August 2002 aus den umliegenden Siedlungen Freiwillige ausgewählt, um sich als Dorfgesundheitshelfer auszubilden zu lassen. Seitdem nehmen diese regelmäßig an Weiterbildungen teil, z.B. zum Thema Erste Hilfe, Familienplanung, Impfprogramme, Hygiene und Medizinpflanzen. Diese Weiterbildungen finden mit Unterstützung der einheimischen ÄrztInnen und internationalen Freiwilligen statt. Das erlernte Wissen wird an die Nachbarn und Dorfmitbewohner weitergegeben.  

Wasserfilter
Eine 50.000 Liter fassende Regenwasserzisterne versorgt die Gesundheitsstation mit Wasser, welches jedoch aufgrund von Bakterien vor dem Trinken abgekocht werden muss. In vielen Privathaushalten der Region wird ebenfalls das Wasser abgekocht, was jedoch unter anderem eine weitere Abholzung in der Region zur Folge nach sich zieht (da oftmals kein Strom vorhanden ist, wird Wasser über offenem Feuer abgekocht). Seit 2010 wird ein Wasserfilterprojekt betrieben, das den Zugang zu Trinkwasser erleichtern und weiter Abholzung vorbeugen soll. Bisher nutzen ca. 100 Familien Wasserfilter (2016). Auch in einigen Schulen wurden diese aufgestellt. In der Gesundheitsstation und in der angrenzenden Casa Multiple, wo ÄrztInnen, Krankenschwestern-/ Pfleger und weiteres einheimisches medizinisches Personal wohnen, werden zwei Wasserfilter genutzt. 

Patientengruppe
An der Gesundheitsstation trifft sich derzeit regelmäßig eine Gruppe von Patienten mit chronischen Erkrankungen, wie z.B. Bluthochdruck und/oder Diabetes. Zunächst mit ca. 15 Personen gestartet, nehmen nun schon bis zu 40 Personen im Alter von 45-85 Jahren an den Treffen teil. Während der Treffen werden Themen zu Krankheitsbildern oder zur Vorsorge besprochen. Ebenso werden gymnastische Übungen durchgeführt. Im Anschluss an die Versammlung finden Gewichts-, Blutdruck- oder Blutzuckermessungen statt. Auch Konsultationen bei den Ärzten sind möglich.  

Müllsammeln
Mit Aktionen zum Müllsammeln wird einer Verschmutzung in La Y entgegengewirkt. Ebenso hat das Gesundheitskomitee mit allen Bewohnern eine Übereinkunft getroffen, die Pferde und Maulesel nur noch an ausgewählten Straßenrändern anzubinden, um die Verunreinigung des Dorfes durch die Exkremente der Tiere zu reduzieren. 

Kleinkredite
In 2009 wurde in der Region El Páramo eine Vereinigung für die Kleinstkreditvergabe gegründet, die „caja de inversion social para la region del Páramo“ (CIS). Durch die CIS können Mitglieder nach der Einzahlung eines Minimumbetrages einen ersten Kredit in der Höhe von USD 50 erhalten, um z.B. Setzlinge oder Dünger zu erwerben. In einigen Fällen wurden auch die Schulgebühren vorfinanziert – bis die Einnahmen aus der nächsten Ernte die Rückzahlung ermöglichen. Auf diese Weise werden die Einnahmen der Familien erhöht, sodass sie ihr Mehreinkommen zur Verbesserung ihrer Lebensumstände einsetzen können. 

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